Presse und Photos

Münchner Merkur über das Programm „Organisiertes Versprechen“:
Creme Bavarese mit morbidem Beigeschmack

Beim Löffeln dieser Creme Bavarese könnte man Gammelfleisch, das „Lebensmittel Auto“ und Brennstäbe verschlucken. Vielleicht sollte man vor dem Genuss Reinhold Messners Ausspruch: „Die Angst ist der Anfang vom Intellekt“ beherzigen, den Sebastian Schlagenhaufer zitierte. Er gehört zu Creme Bavarese und gastierte mit seinem Kollegen Ferdinand Maurer mit „Das organisierte Versprechen“ in der Schiaßn in Erding.

In Monologen, Zwiegesprächen sowie zu Gitarren- und Akkordeonbegleitung brachten die Zwei ihre Botschaften unter die Leute und eiferten den großen bayerischen Kabarettisten nach. Sie wollten vom Publikum wissen, welche Farbe die Sitze im Bundestag haben. „Blau“, schallte es ihnen entgegen. Das Fazit: Man erinnere sich an die Farbe deshalb, weil viele Stühle unbesetzt seien.

Die beiden nahmen sich der bayerischen Trilogie Landschaft, Kulinarik und Brauchtum an. Zu einem Ausflug ins Morbide schien der Song „Der Stecher“ zu werden. „Er kann täglich aus vielen Körpern wählen, es san so vui, er kann sie gar nicht zählen.“ Doch der mit Kettensäge [mit Kettenhemd bekleidete, d. Red.] bewaffnete Mann arbeitet schlicht in einem Schlachthof und zerlegt 750 Schweine in der Stund‘. „Guten Appetit“ – so viel zum Lehrstück über die bayerische Kulinarik, wo ein rescher Schweinsbraten nicht fehlen darf.

Wie öde sei die Landschaft ohne das Atomkraftwerk Isar 1, räsonierten Schlagenhaufer und Maurer als wehmütige AKW-Mitarbeiter am Stammtisch. „Die Liebe geht entzwei durch virtuelle Spannerei“, warnten sie in ihrem Lied über das zwischenmenschliche Ausspionieren im Netz und erzählten von einer Alltagsodyssee: Der Versuch einen Telefonservice anzurufen, kostete am Ende Geld und Nerven. Dass Hitler inzwischen zur Filmfigur wurde, was zu einem Prozess der medialen Verharmlosung führen könnte, war der Anlass, um satirisch über Vermarktungsstrategien nachzudenken. Barbie und Ken – Eva und Adi. Als zum Finale aus „Bella ciao“ – „Erding ciao“ wurde, hielt es das Publikum kaum noch auf den Stühlen.


Hallo Erding über das Programm „Organisiertes Versprechen“:

Süße Creme mit scharfem Biss

Die bayerische Crème de la Crème hat zugeschlagen. Ferdinand Maurer und Sebastian Schlagenhaufer, inzwischen besser bekannt als „Creme Bavarese“, haben im Festsaal der Fischer’s Stiftung einmal mehr bewiesen, dass sie den St.-Prosper-Kabarettpreis in der Schiaßn völlig zu Recht gewonnen haben.

Heilig ist ihnen gar nichts, sie greifen Themen auf, die jeden bewegen und stellen in ihrer bayerischen Triologie auf die Melodie von „Großer Gott wir loben Dich“ die drei Grundwerte Landschaft, Kulinarik und Tradition in Frage. Maurer hält mit harmonisch lieblichen Akkordeonklängen die tragenden Säulen des Bayerntums hoch, während sie Schlagenhaufer mit harten Gitarrenriffs negiert. Da gibt’s Wiesen nur für Möbelriesen und Gammelfleisch als Schweinsbraten. „Vielen Dank für Speis‘ und Trank, nur a Preiß‘ is rank und schlank“, singen die beiden Kabarettisten und begeistern damit ihr Publikum.

„Wir Raucher teeren nicht nur unsere Lungen, sondern auch eure Straßen“, wettert Schlagenhaufer, unterbrochen von heftigen Hustenanfällen, und fragt, wo denn der Staat das Geld hernehmen würde, für all die sozialen Leistungen, wenn er keine Tabaksteuer mehr bekäme. Ob die Schließung des Atomkraftwerks Isar I, die zwei ehemalige Mitarbeiter wortreich bedauern, weil sie doch immer extrem aufgepasst haben – bis auf ein, zwei dumme, aber erklärbare Unachtsamkeiten, oder der reglose stumme Auftritt Maurers als Adolf Hitler, weil „Hitler darf in keinem Unterhaltungsprogramm fehlen“ – Creme Bavarese sind keck, frech und treffen den Nerv des Publikums. Auch als sie angesichts des Veranstaltungsortes fragen, ob jeder Facebook kennt, „aber das Telefon schon, oder?“. Sie haben Angst um die Angst, weil es sie vielleicht bald nicht mehr gibt, wenn sie so mutig sind, wie manch ein Politiker. Doch davor brauchen sie sich nicht zu fürchten.

Creme Bavarese stehen zwar erst am Anfang ihrer Karriere, haben jedoch eine große Zukunft vor sich, wenn sie’s nicht selbst vergeigen. Das Theater in der Fischer’s Stiftung jedenfalls hat sich mit einem würdigen und sehr unterhaltsamen Abend in die Sommerpause verabschiedet.

 

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